Geschichte der Ramtel Gemeinde







Ramtel 1936 und Wo kommen die Neubürger her ?

Entwicklung des Ramtel

1952 wohnten im Gebiet des Ramtel nicht einmal 100 Menschen. Die Häuser lagen verstreut zwischen dem Mühlbachtal und dem Bockberg.
Nach dem 2. Weltkrieg musste die Stadt Leonberg über 8000 Vertriebene aufnehmen und ihnen eine neue Heimat geben. In diesem Zuge entstand ab Mitte der 50ziger Jahre das Neubaugebiet am Gerlinger Weg, der Ramtel.
Woher kamen diese Neubürger ? Die Hälfte aus Schlesien, viele aus dem Sudetenland, andere aus Ost- und Westpreussen, Danzig, Pommern, aber auch aus Bessarabien und anderen Regionen. Sprunghaft stieg die Bevölkerung mit 1200 im Jahre 1956 auf 4800 im Jahre 1966 an.


"Die Baracke" und Pfarrer Paul Gerhard Seiz
"Die Baracke" und Pfarrer Paul Gerhard Seiz

"Die Baracke" und Pfarrer Paul Gerhard Seiz



Die Gemeinde

Anfangs wurden die evangelischen Christen von den Pfarrern aus Eltingen betreut, sie gingen zum Gottesdienst nach Eltingen. Bibelabende fanden jedoch schon im Ramtel statt, in Privatwohnungen. 1959 wurde dann das erste Gotteshaus der Gemeinde bebaut, der Kirchsaal, "die Baracke". Es war ein Fertighaus mit 100 Sitzplätzen. Sie stand in der Breslauer Straße, wo sich heute das Haus Nummer 25 befindet. Ostern 1960 war der erste Gottesdienst.

Im Dezember 1960 bekam die Gemeinde dann endlich ihren eigenen Pfarrer, Paul Gerhard Seiz. Ein Kirchengemeinderat wurde 1962 gegründet und schließlich 1963 der Grundstein für eine neue Kirche gelegt, die Versöhnungskirche.

1963 wurde zum ersten Mal das sogenannte Herbstfest veranstaltet, auf einer Streuobstwiese, wo heute die Kirche steht. Dieses Fest wird bis heute am 1. Sonntag nach Erntedank gefeiert.


Grundsteinlegung und Bau der Versöhnungskirche
Grundsteinlegung und Bau der Versöhnungskirche

Grundsteinlegung und Bau der Versöhnungskirche



Das Kirchenexperiment:
Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist

Eine Gruppe von jungen Pfarren und Laien um Paul Gerhard Seiz und Gerhard Wacker entwickelte in den frühen Sechzigern ein neues Gemeindekonzept nach dieser Devise Dietrich Bonhoeffers.
Sie beschrieben sich als "kirchlichen Dienstgruppe", das Kirchenexperiment wurde unter dem Namen "Kolonie" weit bekannt.

Eine Fülle von Arbeitsfeldern taten sich auf:
Neue Gottesdienstformen wie Gesprächsgottesdienste, wurden entwickelt, z.B. über die Seligpreisungen, da wurde plötzlich getanzt im Gemeindesaal und Fasching gefeiert, neue Konzepte der Stadtentwicklung – die neue Mitte, das Leo Center wurden heftig diskutiert, man beschäftigte sich mit Ausländerintegration und öffnete die Kirchenräume ganz weit für Kinder und Jugendliche.

Doch unproblematisch ging das nicht immer ab. Da saßen im Kaminzimmer statt freundlicher Kaffeetanten plötzlich Jungen und Mädchen mit CocaCola, Knutschen und Küssen, rauchgeschwängerte Luft, Beat in Mega-Phonstärke und das jeden Donnerstag von 19 - 22 Uhr.

Das Experiment war von Anfang an zeitlich begrenzt, 1968 geht Paul Gerhard Seiz nach Bad Boll, in seiner Abschiedspredigt gibt er der Gemeinde mit:
"Stelle eigenes zurück, und gehe das Größere an ! Werde wach und stärke den anderen. Die eigentliche Gefahr in der Gemeinde ist nicht die Unruhe sondern die Ruhe."

Unsere Pfarrer: Gerhard Wacker, Hermann Martin, Hermann Bauer
Unsere Pfarrer: Gerhard Wacker, Hermann Martin, Hermann Bauer
Unsere Pfarrer: Gerhard Wacker, Hermann Martin, Hermann Bauer

Unsere Pfarrer: Gerhard Wacker, Hermann Martin, Hermann Bauer



Die Weiterentwicklung der Gemeinde

1965 kann dann der Kindergarten und die Versöhnungskirche eingeweiht werden, 1966 fand der erste Altennachmittag statt, 1972 kam ein Gymnastikkreis hinzu, 1976 ein Tanzkreis.

Von 1968 bis 1980 war Hermann Martin Pfarrer im Ramtel und seit 1980 Hermann Bauer.




Der Stadtteil hat sich seit 1965 sehr verändert. Ein neues Wohngebiet ist mit der Bebauung des oberen Ramtels hinzugekommen. Hier wohnen v.a. Menschen, die im nahen Stuttgart und in der Umgebung arbeiten und nur abends zurück in den Ramtel kommen, dies führt - so erscheint es - zu weniger Bindung, auch zu unserer Kirchengemeinde.
Und neue Einrichtungen entstanden: Da ist das Behindertenwohnheim und die Werkstatt für Behinderte. Da ist das Senioren-Pflegeheim im Oktogon.

Heute gibt es eine Fülle von Aktivitäten, vom Frauenkaffee, Seniorenkreis, dem biblische Gespräch, dem Chor, den Gemeinde- und Konfirmandenfreizeiten, bis hin zum Herbstfest, und natürlich die besondere Gottesdienste, z.B. mit den Kindern des Kindergarten, mit Behinderten oder mit der katholischen Gemeinde oder der Osternachtsgottesdienst.

Auf unserer Seite "Gruppen", "Aktuelles" und "Gottesdienste" können Sie sich weiter informieren.

Dr. Hans-Reinhart Ziegler
Stand 27.03.2006